Alle Märchen Lisis Märchenzeit
Das Mädchen steht in der Abenddämmerung auf einer Wiese, dahinter der alte Mann und vier Kinder

Die Sterntaler

Ein Märchen der Brüder Grimm – neu erzählt für Kinder

ca. 5 Minuten 8 Seiten 4 Rätselfragen
Das Mädchen geht mit einem Stück Brot in der Hand hinaus ins Feld
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Ganz allein

Es war einmal ein kleines Mädchen. Es hatte keinen Vater und keine Mutter mehr. Es war so arm, dass es kein eigenes Bett hatte und kein Zimmer, in dem es wohnen konnte.

Das Mädchen besaß nur die Kleider, die es anhatte: ein weißes Hemdchen, ein blaues Röckchen, ein grünes Jäckchen und eine rote Mütze. In der Hand hielt es ein kleines Stück Brot. Das hatte ihm ein freundlicher Mensch geschenkt.

Aber das Mädchen war gut und fromm. Das heißt: Es vertraute fest auf den lieben Gott. „Ich bin nicht allein“, dachte es. Und so ging es hinaus ins weite Feld.

Das Mädchen schenkt dem alten Mann sein Stück Brot
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Der hungrige Mann

Auf dem Feldweg kam ihm ein alter Mann entgegen. Er hatte einen langen grauen Bart und stützte sich auf einen Stock. Sein Mantel war voller Flicken.

„Ach, liebes Kind“, sagte der Mann leise. „Gib mir doch etwas zu essen. Ich bin so hungrig. Mein Bauch knurrt schon den ganzen Tag.“

Das Mädchen schaute auf sein Stück Brot. Es war das Einzige, was es zu essen hatte. Doch dann reichte es dem Mann das ganze Brot.

„Gott segne dir's“, sagte das Mädchen freundlich.

Der alte Mann lächelte. „Danke, du gutes Kind!“ Dann ging das Mädchen weiter.

Das Mädchen setzt einem frierenden Jungen seine rote Mütze auf
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Die rote Mütze

Bald blies ein kalter Wind über das Feld. Huuu, huuu! Da saß ein kleiner Junge am Wegrand. Er weinte und hielt sich die Ohren zu.

„Es friert mich so an meinem Kopf“, jammerte er. „Schenk mir doch etwas, womit ich ihn bedecken kann.“

Das Mädchen überlegte nicht lange. Es nahm seine rote Mütze ab und setzte sie dem Jungen auf. „So, jetzt hast du es warm“, sagte es.

Der Junge zog sich die Mütze tief über die Ohren. Er hörte auf zu weinen und strahlte. „Danke!“

Nun pfiff der Wind dem Mädchen um den Kopf. Aber es lächelte trotzdem.

Das Mädchen legt einem kleinen Mädchen mit schwarzen Locken sein grünes Jäckchen um
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Das grüne Jäckchen

Das Mädchen ging weiter. Am Waldrand traf es ein kleines Mädchen mit schwarzen Locken. Es hatte kein Jäckchen an und zitterte. Brrr!

„Mir ist so kalt“, sagte das Kind mit klappernden Zähnen.

Da zog das Mädchen sein grünes Jäckchen aus. Vorsichtig legte es das Jäckchen um die Schultern der Kleinen. „Hier, das wärmt dich“, sagte es.

Die Kleine kuschelte sich hinein. „Oh, wie weich!“, rief sie. „Danke schön!“

Das Mädchen freute sich. Jetzt hatte es nur noch sein Röckchen und sein Hemdchen. Aber sein Herz war ganz warm.

Im Wald am Abend schenkt das Mädchen einem Kind mit roten Haaren sein blaues Röckchen
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Das blaue Röckchen

Langsam wurde es Abend. Die Sonne ging unter, und das Mädchen kam in einen großen Wald. Unter einer Tanne saß ein Kind mit roten Haaren. Es hatte nur ein ganz dünnes Kleid an.

„Bitte“, flüsterte das Kind. „Hast du ein Röckchen für mich? Mir ist an den Beinen so kalt.“

Das Mädchen schaute an sich herunter. Es hatte doch selbst kaum noch etwas! Aber dann knöpfte es sein blaues Röckchen auf.

„Nimm es nur“, sagte es. „Du brauchst es mehr als ich.“

Das Kind zog das Röckchen an und drehte sich vor Freude im Kreis.

Nachts im Wald gibt das Mädchen sein Hemdchen einem kleinen Jungen
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Das letzte Hemdchen

Nun war es dunkle Nacht. Der Mond schien zwischen den Bäumen hindurch. Da kam noch ein Kind. Es bat um ein Hemdchen, denn es fror am ganzen Körper.

Das fromme Mädchen dachte: „Es ist dunkle Nacht, da sieht mich niemand. Ich kann wohl mein Hemdchen weggeben.“ Und es zog sein weißes Hemdchen aus und schenkte es dem Kind.

Jetzt hatte das Mädchen nichts mehr zum Verschenken. Es trug nur noch ein dünnes Unterkleidchen. Ein bisschen fror es. Aber traurig war es nicht. Es hatte allen geholfen, so gut es konnte. Still schaute es zum Himmel hinauf.

Sterne fallen als silberne Taler vom Himmel, das Mädchen trägt ein neues weißes Kleid
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Die Sterntaler

Da geschah ein Wunder! Auf einmal fielen die Sterne vom Himmel. Glitzer, glitzer! Einer nach dem anderen kam herab, ganz sanft, wie Schneeflocken.

Doch als sie unten ankamen, waren es keine Sterne mehr. Es waren blanke, silberne Taler! Taler sind Geldstücke, so wie Münzen.

Und plötzlich trug das Mädchen ein neues Hemdchen. Es war aus dem allerfeinsten Leinen, weich und warm. Es schimmerte im Sternenlicht.

Das Mädchen hielt sein Hemdchen auf wie eine Schürze. Klingeling, machten die Taler, als sie hineinfielen. Das Mädchen sammelte und sammelte, bis keiner mehr da war.

Das Mädchen sitzt mit dem alten Mann und den vier Kindern vor seinem neuen Haus am Tisch
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Ein warmes Zuhause

Von nun an war das Mädchen reich. So reich, dass es nie wieder hungern oder frieren musste.

Es kaufte sich ein kleines Haus mit einem warmen Ofen. Jeden Morgen duftete es dort nach frischem Brot.

Und weißt du was? Das Mädchen vergaß die anderen nicht. Es lud den alten Mann und die vier Kinder ein. Alle saßen zusammen am Tisch, aßen warmes Brot und lachten.

„Du hast uns geholfen, als du selbst fast nichts hattest“, sagte der alte Mann. „Und nun hilfst du uns schon wieder.“

Das Mädchen lächelte. „Teilen macht doch die größte Freude!“

Was lernen wir?

Die Moral der Geschichte

  • Wer teilt, macht andere und sich selbst froh. Das Mädchen hatte selbst nur wenig und gab trotzdem gern – und am Ende wurde es reich beschenkt.
  • Ein gutes Herz ist der größte Schatz.
Zum Nachdenken: Hast du schon einmal etwas mit jemandem geteilt? Wie hat es sich angefühlt, als sich der andere gefreut hat?
Rätselzeit

Hast du gut aufgepasst?