Der süße Brei
Ein Märchen der Brüder Grimm – neu erzählt für Kinder
ca. 5 Minuten
7 Seiten
4 Rätselfragen
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Lisis Märchenzeit

Ein Märchen der Brüder Grimm – neu erzählt für Kinder
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Es war einmal ein armes, liebes Mädchen. Es wohnte mit seiner Mutter in einem kleinen Haus am Rand einer Stadt. Die beiden hatten einander sehr gern. Aber sie hatten fast nichts zu essen.
Eines Morgens schaute die Mutter in den Schrank. Er war leer. Kein Brot, keine Milch, nicht einmal ein Apfel.
„Ach, Kind“, seufzte die Mutter. „Heute haben wir gar nichts mehr.“
Dem Mädchen knurrte der Bauch. Grrr! „Sei nicht traurig, Mama“, sagte es. „Ich gehe in den Wald und suche Beeren für uns.“
Es nahm ein Körbchen und lief los.

Im Wald war es still und grün. Das Mädchen suchte und suchte. Doch es fand nur ein paar Beeren.
Da kam eine alte Frau den Weg entlang. Sie hatte ein freundliches, runzliges Gesicht. „Warum schaust du so traurig, mein Kind?“, fragte sie.
„Wir haben nichts mehr zu essen“, sagte das Mädchen leise.
Die alte Frau lächelte. Sie holte ein kleines Töpfchen aus ihrem Korb. „Das schenke ich dir. Es ist ein Zaubertöpfchen. Wenn du sagst: ‚Töpfchen, koche!‘, dann kocht es süßen Brei. Und wenn du sagst: ‚Töpfchen, steh!‘, dann hört es wieder auf.“
„Danke!“, rief das Mädchen. Und schon war die alte Frau zwischen den Bäumen verschwunden.

Das Mädchen rannte nach Hause. „Mama, schau mal!“ Es stellte das Töpfchen auf den Tisch und sagte: „Töpfchen, koche!“
Blubb, blubb, blubb! Sofort stieg warmer Hirsebrei im Töpfchen auf. Hirse ist ein Getreide mit winzigen, gelben Körnern. Der Brei war süß und duftete nach Honig.
Die Mutter staunte. Sie holte zwei Löffel. Dann aßen die beiden, bis ihre Bäuche rund und satt waren.
„Töpfchen, steh!“, sagte das Mädchen. Und das Töpfchen hörte sofort auf zu kochen.
Von nun an mussten die beiden nie mehr hungern. Jeden Tag gab es süßen Brei, so viel sie wollten.

Eines Tages ging das Mädchen fort. Es wollte am anderen Ende der Stadt eine Freundin besuchen.
Die Mutter blieb allein zu Hause. Nach einer Weile bekam sie Hunger. „Ich mache mir schnell ein bisschen Brei“, dachte sie.
Sie stellte das Töpfchen auf den Herd und sagte: „Töpfchen, koche!“
Blubb, blubb! Das Töpfchen kochte. Die Mutter füllte sich eine Schüssel und aß. Mmh, wie lecker!
Bald war sie satt. „So, das reicht“, sagte sie. „Töpfchen … äh … hör auf!“
Aber das Töpfchen hörte nicht auf. Blubb, blubb, blubb! Es kochte einfach weiter.

„Oje!“, rief die Mutter. „Wie hieß bloß das Zauberwort?“
Sie probierte es: „Töpfchen, stopp! Töpfchen, genug! Töpfchen, bitte, bitte, mach Pause!“
Doch das Töpfchen kochte und kochte. Der Brei lief über den Rand. Er tropfte vom Herd auf den Boden. Bald war die ganze Küche voll mit gelbem, süßem Brei.
Die Mutter kletterte schnell auf einen Stuhl. Der Brei kroch immer weiter. Er füllte die Stube. Dann quoll er unter der Tür hindurch nach draußen. Blubb, blubb, blubb!

Der Brei floss in das nächste Haus. Dann in das übernächste. Bald war die ganze Straße voll mit Brei.
Die Nachbarn steckten die Köpfe aus den Fenstern. „Was ist denn das?“, riefen sie. Ein kleiner Hund schleckte am Brei und wedelte fröhlich mit dem Schwanz. Die Kinder lachten und matschten mit den Händen darin herum.
Aber der Brei hörte nicht auf. Er floss durch alle Gassen, über den Marktplatz und bis zum Stadttor. Es sah aus, als wollte das Töpfchen die ganze Welt satt machen.
Und niemand wusste, wie man es anhalten konnte.

Am Abend kam das Mädchen zurück. Schon von Weitem sah es den vielen Brei. In der ganzen Straße war nur noch ein einziges Haus frei.
Das Mädchen wusste sofort, was passiert war. Es rief laut und deutlich: „Töpfchen, steh!“
Und das Töpfchen stand still. Es kochte kein bisschen mehr.
Die Mutter umarmte ihr Mädchen. „Danke, mein Schatz! Ich hatte das Zauberwort vergessen.“
Wer nun in die Stadt wollte, musste sich durch den Brei hindurchessen. Das taten alle sehr gern. Die Nachbarn holten ihre Löffel, und es wurde ein großes, süßes Fest. Und von da an merkte sich die Mutter das Zauberwort ganz genau.

Zum Nachdenken: Was hast du dir schon einmal ganz genau gemerkt? Und was kannst du tun, wenn du etwas Wichtiges vergessen hast?